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Menschliches Ohr

Hörorgan
Die Ohren ermöglichen die verbale Kommunikation. Sie helfen uns, verständlich zu sprechen und in der richtigen Tonlage zu singen. Die Ohren schirmen aber auch ab gegen das, was wir nicht hören wollen, angefangen bei den Geräuschen des eigenen Körpers. Durch seine Verbindung mit den unterschiedlichsten Hirnarealen wirkt das Ohr wie eine zweifache Antenne, die Signale aus dem Körper und auch aus der Umgebung empfängt. Das Ohr ist somit Bindeglied zwischen der inneren und der äusseren Welt.

Weitere Funktionen, die mit den Ohren in Verbindung stehen:

Vegetatives Gleichgewicht
Weniger bekannt ist, dass das Gehör auch einen Einfluss auf das vegetative Nervensystem hat. Am äusseren Gehörgang und am Trommelfell treten sensible Fasern des 10. Hirnnervs an die Oberfläche. Dieser autonome Nerv (Nervus Vagus) versorgt mit seinem überaus komplexen und dichten Netz von Verästelungen jene inneren Organe, die anfällig sind für psycho- somatische Störungen (z.B. im Hals - Nasen - Ohrenbereich, in der Herzgegend, im Magen - Darmbereich). So kann Klang, je nachdem, ob es Wohlklang oder Lärm ist, Wohlbefinden vermitteln oder krank machen. Darin liegt wohl auch das Geheimnis, warum uns Töne manchmal so direkt berühren und warum Musik heilend wirkt.

Bei gespanntem Trommelfell werden hohe Frequenzen gut wahrgenommen und der Nervus Vagus wird kaum gereizt. Bei schlaffem Trommelfell können starke Vibrationen durch tiefe Frequenzen ausgelöst werden, die den Nerv überreizen und Störungen in den inneren Organen verursachen.

Ohrlateralität oder „das Herz sitzt links, die Sprache rechts.“
Zahlreiche Studien und Experimente mit Sängern und Musikern brachten Tomatis darauf, dass die beiden Ohren nicht dieselben Aufgaben erfüllen. Es gibt eine auditive Lateralität. Entsprechend den Augen, wo im Moment des Zielens ein Auge führt, wird beim Fokussieren auf Töne ein Ohr bevorzugt verwendet. Wenn Analyse und Kontrolle gefragt sind oder gezielt Nebengeräusche ausgeblendet werden müssen, ist das rechte Ohr dazu besser geeignet. Wichtige Zentren für die Verarbeitung der Sprache befinden sich in der linken Hirnhemisphäre, die neurologisch über mehr Verbindungen mit dem rechten Ohr verfügt. Das linke Ohr arbeitet eher ganzheitlich und steuert den emotionalen und kreativen Aspekt bei.

Übersicht menschliches Ohr

Auswirkungen der Horchtherapie
Durch ein Horchtraining wird die Energiezufuhr zur Grosshirnrinde angeregt und mit bleibender Wirkung verbessert.

Eines der grössten Verdienste von Tomatis war der Nachweis, dass das Kind im Mutterleib schon ab dem 4. Monat hört. Prä- und postnatale Störungen gehen häufig mit Beeinträchtigungen des Hör-  und Differenzierungsvermögens einher, was entsprechende Entwicklungs-  und Funktionsprobleme zur Folge haben kann. Mit einem Horchtraining nach Tomatis werden diese Störungen pädagogisch – therapeutisch angegangen; frühkindliche Blockaden können gelöst und nachfolgende Entwicklungsschritte angeregt werden. Dadurch werden Kinder z.B. wacher, kreativer, kontakt- und sprechfreudiger; auch können sich Haltung und Schrift verbessern.

Das Ohr erfüllt eine dreifache Funktion: Es ist Transformationsorgan, Gleichgewichtsorgan und Hörorgan.

Transformation
Das Ohr verwandelt akustische in elektrische Energie und liefert so dem Gehirn einen grossen Teil der Stimulation, die es benötigt. Das Ohr kann mit einem Dynamo verglichen werden. Eine durch Töne und Klänge aufgeladene Hirnrinde zeigt sich in geistiger Wachheit und Vitalität. Fehlt diese Stimulation, speziell im Hochtonbereich, fühlt sich der Mensch müde und wenig belastbar.
Diese Stimulation von Gehirn und Nervensystem findet bereits vor der Geburt statt. Tomatis war ein Pionier in der pränatalen Forschung. Er wies nach, dass der Fötus im Mutterleib bereits ab dem 4. Schwangerschaftsmonat hört. (siehe Literaturliste zu diesem Thema)

Gleichgewicht
Das Gleichgewichtsorgan (Vestibulum) im Innenohr ist unser Kompass. Es kontrolliert das Gleichgewicht, die aufrechte Haltung und die Motorik. Es registriert den Schall, der über die Ohrschnecke wahrgenommen und analysiert wird, als rhythmisches Phänomen. Jeder Muskel des Körpers steht über das Rückenmark mit dem Nerv des Gleichgewichtsorgans in Verbindung. Somit befindet sich unser Körpergefühl im Ohr.

Ausserdem wirkt sich die auditive Stimulation durch das Horchtraining am schnellsten im vegetativen Bereich aus (z.B. tieferer, erholsamerer Schlaf, Regulieren des Appetits).

Aufbau des Innenohres

01. Vorderer Bogengang
02. Vordere Ampulle
03. Seitliche Ampulle
04. Sacculus
05. Häutiger Schneckengang
06. Schneckenspitze
07. Seitlicher Bogengang
08. Hinterer Bogengang
09. Hintere Ampulle
10. Ovales Fenster
11. Rundes Fenster
12. Paukentreppe
13. Vorhoftreppe
14. Utriculus

Aussenansicht des häutigen Labyrinths des rechten Ohres. Die sensitiven Zonen sind blau gefärbt.

Mehr Informationen:

http://www.iurc.montp.inserm.fr/cric/audition/